Gedichte
von Wolfgang Buchhorn


 

Leben
 
Ich werde Leben sein
An deiner Hand
Über alle Brücken 
Gehen
Aus Blut Tränen und Angst
Über die zerbrechlichen
Unbetretenen
Brücken unzähliger Gräber
Werde ich namenlos gehen
Über weite Horizonte
In denen die untergehende Sonne
Ihr Spiegelbild staunend küsst
 
Ich werde Leben sein
über alle Grenzen hinweg
Die Zeiten überspringen
Und eintauchen
Ins Meer
Der Nüchternheit
 
Ich werde Leben sein
Mit meinem Tod an deiner Hand
 
 

Paderborn

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 




run away
 
Sehnsucht nach Halt
In haltloser Zeit
Millisekunden zählen
Entscheiden
Über Profit und Sturz
Andere
Sehr andere sich fragen
(müssen)
Ob das Brot noch bis zum Abend reicht
Das Gelernte am Morgen veraltet
 
Sehnsucht nach Halt
Sucht Nähe
Berührung
Doch alles rennt
Weg

Wohin?
 
Vlotho
 
 
Auf dem Weg
 
Vielleicht bin ich immer
Nur auf dem Weg
Zu mir
In allem Erleben
Allen Ängsten
Wünschen
Den Fluchten
 
Nie kann ich mir entkommen
Kein Rausch erlöst mich
Kein Denken
Es macht nur klarer
Wer ich war
Wer ich bin
Für den Moment
Eingebettet in Wälder und Menschen
 
Vielleicht bin ich am Ende
Gott
Ohnmächtig und einsam
Wie alle
 
Das beruhigt
 
 
Le Puy
 
 




Sagen
 
Es ist nicht gleichgültig
Was wir denken und sagen
Es sind Pollen im Wind
Sie treiben von Blüte zu Blüte
Setzen fort
Was gedacht was gesagt
Die Saat wird aufgehen
Vielleicht erst später
Wenn da Meer
Die Inseln verschluckt hat
Andere ernten die Früchte
Ohne Süße und Geschmack
 
Nichts ist gleich-gültig
 
Le Puy
 






Abfahrt  06.44
 
Zuerst ein lautes
NEIN
Dann Stille im Denken
Leere
Wie ein schwarzes Loch
Das alles einsaugt
Verschlingt
Selbst das NEIN
 
Erinnerungen tauchen auf
Freundlich-liebende
Die die Trauer verschärfen
NEIN, das kann nicht sein
NEIN, das darf nicht sein
Alte Wunden wiegen plötzlich leicht
 



Doch
Es geschah am frühen Morgen
Als der Zug eilte
 
Auf dich zu
 
Es gibt den Trost nicht
Nicht Verklärungen
Schuldzuweisungen
 
Es gibt einen leeren Platz im Herzen
Auf Dauer
Ein Loch in der Seele
Auf Dauer
 
Das Eingeständnis
Bitter genug
Ihm war auf dieser Welt nicht zu helfen
Er fand
Obgleich geliebt und liebend
Er fand
Keine Berechtigung für sich
Keine Kraft mehr
 
Zu existieren
Zu sein
 
Millau
 




Stille
 
Unberührt von Gedanken
Hohen Wellen der Gefühle
Erinnerungen
Entfernt von den Oberflächen
Des Ozeans
 
In der Tiefe ist es still
Empfänglich für das Tosen
Der sich überschlagenden Brandung
Dort oben
In der Ferne
Unberührt und doch liebevoll
Alles umgreifend
Durchdringend
Frei







Stille haftet an nichts
Lässt zu
Lässt offen
Wählt nicht
Umfängt mich
Am frühen Morgen
Schweigend ohne zu verschweigen
Verschwiegen
Zwischen Dunkelheit und Dämmerung
Zwielichtig
 
Sie leitet mich
Ohne Widerstand
Als sage sie
Liebe mich in dir
 
 
Vlotho



Gegangen
 
Du bist
Gegangen
Gegangen
Schritt für Schritt
Du hattest Zeit
Tage
Dann
Stunden
Der Weg war lang
Schritt für Schritt
Bist du gegangen
Über Gräser Schotter
Über Schwellen
Bist du gegangen
Bewusst und entschlossen
Du kanntest das Ziel
Du hattest Zeit
Minuten
Du hast nicht gezögert
Du bist gegangen
Über Schwellen
Gegangen
Du hattest Zeit
Das Ziel kam dir näher





Die dich suchten
Fanden dich nicht
Schon früher
Mit jeder Minute
Du gönntest dir
Eine letzte Zigarette
Entschlossen
Du brauchtest nicht lange zu warten
Sekunden
Du wolltest
Nicht mehr
Gehen
Nur
Ein letzter Schritt
Aufrecht
 
Als das Ziel kam
Hast du dich ihm aufrecht gestellt
Nicht mehr gegangen
Nie mehr
 
Doch gegangen
Für immer

Kamen
 


Sinnspuren
 
Große Fragen
Ewige Fragen
Unbeantwortbar
 
Spurensuche
Spuren fragen
Nachfragen
Mauern fragen
Weiter fragen
Vielleicht geben sie Antwort
Sicher nicht eine einzige
Viele Antworten
Alle sind gültig
Unvollkommen gültig
Woher
Wohin
Warum
Sisyphos lächelt stumm-beredt
 
Große Fragen
Weite Erzählung
Ewige Fragen
Endlose Antworten des Lebens
Tragen
 
 Vlotho
 





Einsames Leben
 
Zwischen mir und der Welt
Ein fußbreiter Spalt
Vielleicht drei Millisekunden
Oder nur eine
Abgrundtief
Verstörend
Ich sehe dich nicht
Nicht den Baum
Den Freund
Höre nicht
Den Gesang
Nur ein Bild
Aus tausend unsichtbaren Punkten
 
Ich bin allein
Mit mir
Verliebe mich in Bilder
Unabänderlich
Doch wenigstens das
 
Vlotho
 
Laufen
 
Weit bin ich gegangen
Durchquerte
Gedachte Sinnhorizonte
Manchmal flog ich
Über Steine Wälle Gräben
Weit
Hinaus aus heraus
Sah in den Spiegel
Erkannte
Niemanden
Sah hindurch hinweg weg
Nur gehen
Nicht schauen
Meilenlang
Dachte im Gehen wie Nietzsche es vorschlug
Es war zu fremd
Klar
Schlüssig
Sah mich
Durchschaute mich
Du musst dein Leben ändern
So lief ich weg
Noch weiter
So weit ich konnte lief ich weg
Lief auf der Stelle
Sah in der Ferne
Am Ereignishorizont
Mich
 
Vlotho
 




Strömen
 
Solange noch Zeit ist
Können wir noch den Vögeln lauschen
Dem Strömen der Flüsse folgen
Abgründe vermeiden
 
Die Sanduhr strömt
Unaufhörlich
Meldet das Strömen
Bis sie abgelaufen ist
Unabänderlich
Unaufhaltsam
 
So lange noch Zeit wäre
Könnten wir träumen
Dennoch
Die Zeit strömt
Die mich enthält
 
 
Millau
 




FELD 74
 
Ein kleines Feld
Ein Meter zum Quadrat
Still
Allein die Vögel zwitschern fröhlich
Selbst im Regen
Öffnen die Weite
Geräusche rauschen fern
 
Gedanken verblassen
Stehen still
Im Gedenken
 
DU
Dort unter den Blumen
Dem Kreuz
Verurteilt zur sanften Ruhe
In Frieden






Feld 74
Nicht dein Friedensfeld
Das du erträumtest
Nicht dein Freiheitsfeld
Das du ersehntest
 
Ich möchte
Dich machtvoll spüren
In deinen tiefen Spuren
Und befreit
 
Wirke!
In Weißer und Roter Rose
Ruhe nicht
Wirke zum Frieden
Auf deine Weise
In dir
In uns
Um uns
 
Spuren deines Lebens
Kamen




Traum(a)
 
Gestützt
Fiel
Zerrissen von der Geschwindigkeit
Nach vielen Metern
Fiel
Ohne Ende
Zerstört
Nichts blieb von ihm
Nur Gedanken
Zorn Liebe Unglaube
Erschaudern
Unglaube Liebe Zorn
Unfassbar
 
Als ich erwachte
Blieb nur
Lieben
 
Vlotho






Fluten
 
Aus der Stille
Berührt mich Zeitloses
Dringt
Wortlose Gewissheit
Über das Blau des Himmels
Grenzüberschreitend
Offen
 
Ich verliere mich in das Weite
Des Todesglücks
Werde mir fremd
Verschwimme im Meer des Lebens
Aufs Feste gespült
Namenlos
Mit jeder kommenden Flut
 
  Aix-en-Provence



Verbindliche Auferstehung
 
Lange schmeckte es
Aschig
Worte vertrockneten
Im sprachlosen Mund
 
Unvorstellbar
Bitter
Das Ende
So ein Ende
 
Der Platz voller Hoffnung
Bleibt unbesetzt
Denken
Unfruchtbarerkreisverker
Es bleiben Spuren
Deutbar offen

Dann
Ein andres Leben wirkend
Wie ein Bruch
Unabdingbar machtvoll zwingend
 






Vergebung
Dann Verständnis
Riss den Blick
Das Herz
Ins Offene
Zum Einverständnis
Des schier Unfassbaren
Da Liebe alles überwölbte
Verbindlch

Erschütterungen hielten stand
Unversehrt
 Verbindlich
 
Die Welt
Blieb ohne Fassung
Unendlich eng
Verbindlich offen
 
Liebevoll
Nicht leicht
 
Cannes
 
 
Ungeheuerlichkeiten

Gehorsam
Geht die Sonne auf
Wider alle Vernunft
Der Einsicht

Das war schon immer so
Wider allen Wandel
Kreisgeburten

Fesrthaltenwollen
Den Klang
Den Duft
Selbst Materie zerstiebt
Als leerer Raum
Würde ich tiefer schauen

Flüchtig
Der Moment allen Geschehens
Grenzpfähle fallen
Schweben geschieht ins Offene hinein

Verwehrt den Gehorsam
Innerer Landschaften
Sie fesseln

Ungeheuerlich


 
 
 




Taugliches
 
Ich wollte vergessen
Nicht länger dran rühren
Zumindest mich ablenken
Abtauchen ins Meer
Des Schweigens
Da  kam die Stille
Und mit der Stille
Kam das Wort
Und mit dem Wort
Kam die Weite
 
Ich bin dir nah
Weil du mich vergessen wolltest
 
Vergessen taugt nicht
Verschweigen taugt nicht
Es taugt der Dank
Und die offene Weite
 
 
Paris
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 


Die kleine Geste
 
Die Geste der Hand
Das Kippen des Kopfes
Das Schmunzeln des Mundes
Sie zählt
 
Zerbricht gedachte Harmonien
Genügt sich selbst
In ihrer Offenheit
Drückt aus
Was ist
Mich trifft
 
Die kleine  Geste
Kaum sichtbar
Angedeutet nur
Vollendet im Schwung
Der Bewegung
Den Buddha in dir
 
 
Paris
 
 
 



Einsames Lieben

 
Das Einsame wohnt
Am Rande des Herzens
Da es still ist
Sie wandelt sich zur Angst
Die Freiheit sucht
Wenn sie subtil nach außen wächst
 
Das Einsame
Der vorletzte Raum
Nach Innen
Stehenbleiben vor der letzten Tür
Dahinter ist es still
Geschieht
Wortloses
Nicht-denkbares,
Nicht-sagbares
Lux aeterna
 
Geschieht
Liebendes
Das bedingungslos liebt
 
 
Vlotho
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 





 
 
Selbstbetrug
 
Oft will ich nicht sehen
Was ich sehe
Nicht hören, was ich höre
Möchte gedankenlos sein
Den Kopf in den Sand stecken
Wie das Kinderspiel
Was ich nicht sehe schwemmt sich hinweg
Als Krebsgeschwür durchdringt mich aller Selbstbetrug
Fühllos ahnungslos
Kann ich nicht teilen
Kein Schleichweg führt zurück ins Leben
 
 
Vlotho
 
 
 
 
 
 




Offene Tore
 
Irgendwo
Ist alles versammelt
Was war
In uns
Unbewusst unbemerkt schwer
Trotz offener Grenzen
 
Es ist viel
Viellicht zu viel
Fürchten wir und
Schließen Ohren Augen Denken Fantasie
Irgendwo ist alles versammelt
Was war
Wer war
Wirkt
 
Könnten wir den in uns Wohnenden
Sinnlich gebären
Öffnen sich Tore weiter Welten
Vlotho
 
 


 
 

Der Griff
 
Im festen Griff
Von Meinung und Blick
Bezwinge ich die Welt
Zwinge zur Unterwerfung
Verforme nach meinem Wunsch
Was ich denke
Was ich wünsche
Was ich glaube
Baue mit festem Griff
Mein Bild
Von mir und dir und uns
Von Gott
 
Angst verfestigt alle Griffe
Nährt sie griffig
Unbegriffen
Alles Greifen zerstört
Selbst das flüchtende Wort
Es tötet die Schrift
 
Ich möcht´ nicht begreifen
Wohl verstehen
 
 
Vlotho
    




Das Wort
 
Du wartest auf ein Wort
Das dich meint
Immer neu
Horchst hinaus in die lautlose Nacht
 
Hörst Stimmen
Sie treffen
Nicht dich
 
Dein Wort
Verhallt
Passt in kein offenes Ohr
 
Du wartest auf ein Wort
Das dich trifft
Ein Liebeswort
Das dich berührt
In dich dringt
Dich ruft
Zur Auferstehung nach der lautlosen Nacht
 
 
Rheda-Wiedenbrück
 






Lebensaufgabe
 
In der vergeblichen Suche
Nach Sinn
Verbirgt sich
Verbergend
Wie ein scheuer Vogel
Der um sein Leben singt
Unentblößbares
Namenloses
Grundgebendes
Gespiegeltes Leben
 
Wir können nur horchen
 
 
Le Puy
 
 
 






 
 
Fassungslos
 
Fremde Weiten
Befallen mich
In den schattigen Gassen
Wortlos
Fassungslos
Machtlos
 
Schweißgetränkt
Suche ich Halt
In der Zeit
 
Das Ergreifende
Weicht atemvoll
Beim Glockenschlag
 
 
Bourges
 
 
 
 
 
 
 





Scham des Überlebens
 
Dem Toten nahe
Blumen am Grab
Welkten
Stille war

Sichtbar
Traf der Pfeil erneut
Und die Lilien
Nicht waren länger verblüht
Reichten wir uns die Hand
Unsichtbar
Spürbar
Erschütternd
Dankbar
Ohne den Scham des Überlebens
 
 
 
Chambéry,  Cafe Grégory
 




Unterwegs
 
Pilgerschaften
Von Ort zu Ort
Frei zum Verweilen
An lebhaften Kreuzungen
Spuren lesen
Hinterlassen
Aufbrechen
Dem Ziel entgegen
Mit erleichtertem Gepäck
 
Mutiger werden
Mit jedem Schritt
Schließlich die letzte Last
Ablegen
Und erstaunt
Leicht
Bei sich einkehren
 
Paris







 
 
Ernüchterung
 
Wenn alles erfüllt ist
Was gesagt wurde
Träume wahr wurden
Die Knospe der Liebe
Sich öffnet
Über Nacht
Kein Wunsch mehr offen ist
Dann
Geh nach draußen
In den kalten Frühlingswind
Und bitte dich um Vergebung
Für die Trunkenheit
Und bete für die Armen
 
 
Paris
 
 
Gesang des Lebens
 
Das Leben singt
Sein eigen Lied
In Bäumen und in Gassen
Abgründig tief
Blutrotgelb
Lässt brechen
Das gläserne Herz
Vereisen die Tränen
Beim Abschied für immer
 
Das Leben singt
Ohn´ Unterlass
Sein fremdes Lied
Seit Jahrmillionen
Es steigt
Es fällt
Es widersteht
Als Drachen oder Wasserfall
 
Das Leben singt
In den Gedärmen
Den Sternen
Im Blick
Es singt sein eigen
Lied
Der Tod ist seine Leier
 
Florenz
 
 



Schlendern
 
Ziellos
Schlendern
Durch Straßen und Parks
Ich trinke mit den Augen
Die Gesichter
Der Menschen Götter und Fassaden
Der sterblichen Erben
 
Nicht der Tod rührt mich
Wohl die Trauer
Die geflossenen Tränen
Ihr Hauch und ihr Lachen
Sättigt mein Leben
Unruhig flatternde Worte
Ziehen ungehört vorüber
Fallen nicht in ein Glas
Ich sehne mich nach der Stille
Singender Vögel
 
 
Paris
 

 
Mittagspause
 
Im Gras liegen
Den Wolken nachschauen
Wenn sie die Sonne freigeben
Die Fliegen spüren
Und die Bienen hören
Den Grashüpfer ausruhen lassen
Der irrtümlich auf dem Bauch landete
Den Lärm in der Ferne verwehen lassen
Stattdessen dem Atem folgen
Nach jedem Gedanken
Und davor
Dann
Ehe du dich erhebst
Weißt du
Da war etwas Neues
Nie zuvor Erlebtes
Ohne Namen
Es berührte dich
Entflog wie ein liebender Traum
 
Cannes



 
 
 
Freiheit
 
Flieg Vogel
Flieg
In die Weite hinein
Lass dich nicht blenden
Vom glitzernden Schein
Bröckelnder Fassaden
Schmeichelnder Töne
Gesetzter Worte
 
Flieg Vogel
Flieg hoch
In die Himmel
Erfüllter Zeit
 
 
Verdun
 
 
 
 
 
 
 


 

Wortmächtiges Schweigen
 
Schon der Versuch zählt
Worte zu sprechen
Oft gilt nur das Stammeln
Das eben Gesagte zerschmilzt schon mit
Dem gesprochenen Wort
 
Worte sind
Richtig und falsch und falsch und richtig
Müssen weitergesprochen werden
Als Annäherung
Bis es hell wird
Erst die Berührung macht Worte wahr
 
Es gibt nur Versuche
Worte zu sprechen
Worte zu hören
Dann
Wortmächtig
Mit einem Blumenstrauß
Zu schweigen
 
Apt







Halbschlaf
 
 
 
    Wahrnehmen heißt
    Bewusst zu sein
 
    Bewusst zu sein
    Heißt
    Sich seiner selbst bewusst zu sein
 
    Sich seiner selbst bewusst zu sein
    Heißt
    Sich seines Selbst bewusst zu sein
 
    Sich seines Selbst bewusst zu sein
    Heißt
    Zu lieben
 
 
Vlotho
 
 




Leichtes Herz
 
Es ist die Sprache des Herzens
Die trägt
Wenn es still ist
Alle Gedanken gedacht
Der Atem
Frei fließt
 
Es ist die Sprache der Herzen
Die trägt
Wenn es weit ist
Offen
Und leicht
 
 
Paris


 



 
Mitgefühl
 
Aufheben
Was gefallen ist
Nichts liegenlassen
Schon ließen wir zu viele liegen
Am Straßenrand
In der Not
Wie oft
Wie leicht
Fallen auch wir
Nicht anders verletzt
 
 
Cluny
 
 



Flügel
 
Spüren
Dass die Worte nicht alleine sind
Nicht alles und nicht wenig
Ihr Gewand ist zu eng
Für die Trauer
Und Freude
Das Licht
 
Spüren
Dass die Worte weit sind
Wie Flügel des großen Vogels
Der abends in den Himmel steigt
Von dort
Schweigend
Mich trifft

 

Dortmund





Sehnsucht
 
Früh am Abend
Lenkt Sehnsucht die Schritte
Gelbrot
Die alten Fassaden
Vergangener Größe
Prallen stille Worte der Liebe
Vom schwarzblauem Himmel
Zurück
Sie tanzen im letzten Hell
Sinkender Sonne
Mahnend rauscht Wasser
Im sprühendem Brunnen
Unter schweigenden Palmen
Schweigen die Alten mit wissendem Blick
 
Früh am Abend lenkt Sehnsucht den Schritt
Der Blick streift kurz nur
Das verwundete Blatt
Es fällt klaglos
Vom Baum
Der Erkenntnis verhieß
 
Rom



 
 

Strandfunde
 
Hingeworfen
Wie das Rückgeld an der Kasse
Der Tag
Auf´s Kalenderblatt
Das von verblassten Helden kündet
Oder von Toten
Manchmal höre ich Musik dabei
Oder male unverständliche Worte
In die Luft
Die vom Duft künftiger Tage künden
Sammle das Rückgeld ein
Als Applaus
Ehe der Vorhang fällt
Ohne Pause
Das Meer das Tote auf den Strand wirft
Die nur leben wollten
Unter uns
Vor allem
Mit uns
 
 
Vlotho





 
Fragen
 
Der Fels schwieg
Als ich ihn fragte
In der Früh
Wohlweislich
 
Vielleicht war die Frage falsch
Ungenau
Die Antwort richtig
 
Wir können nur fragen
Immer wieder
Die Frage selbst liebhaben
Sie vielleicht später verstehen
Wie der Fels
 
Und Schweigen
 
 
Lourdes




Totentänze
 
Besetzt im Kopf
Erkenne ich
Grenzen
Gläubig akzeptiert
Und im Herzen
Schmerzlich erlitten
 
Grenzüberschreitungen
Anstößig
Unanständig
Die einen
Denke ich
Unbewegt
Lebensrettend
Die anderen
 
Wenn jenseits der Tod regiert
Die Gewalt
Aus nichtigem Anlass
Fallen gewichtige Bomben
Zerreißen Familien
Leiber
Jahre und Stunden


 
 

 







Menschen fliehen vor Menschen
Bleiben fremd in der Fremde
Die nie zur Heimat wird
Im Zwischenreich von
Angefeindet und Willkommen
Missbraucht
Zur Stützung
Längst gefallener Idole
Diesseits und jenseits
 
Berührt
Vom Totentanz
In mir
Bin auch ich schuldiges
Opfer
 
 
Paris




Erschaudern
 
Nicht geschrieben
Nicht beschreibbar
Nicht sagbare
Worte
Die keine sein können
Noch nicht
Unmöglich zu sagen
Ob sie jemals werden
Gesagt
Gehört
Geschrieben
Eines fernen Tages
 
Nicht schreibbare Worte
Vielleicht Gesten einer Hand
Als lautloser Blick
Ins Leere
Gefüllt mit trockenen Tränen
Des Entsetzens
Bielefeld
 


Das Geschenk
 
Wir können die Träume
Nicht trösten
Sie kommen des Nachts
Legen sich sanft über uns
Nisten sich ein
Hungern nach freundlichen Worten
Nacht um Nacht
Bieten uns Bilder und Farben
Formen  und Gesten
Fordern
Das klare Licht des Morgens
Fordern und drohen
 
Wir können die Träume
Nicht trösten
Sie schenken sich uns
 
Rom
 
 
 

Das Geheimnis
 
Nichts ist selbstverständlich
Das übersehen wir
In aller Gewohnheit
Nicht den Vogelsang am Morgen
Wenn es noch dunkel ist
Nicht das Lächeln des Schülers
Nach der Entdeckung
Die ihn rührt
Sein Lächeln bedeckt das Geheimnis
Um das er von nun an schweigend weiß
Und es im Herzen liebt
 
Nichts ist selbstverständlich
Was ist
So versteht sich Nichts
Erst über uns
Wenn wir uns wundern
 
Paris
 
 



Enge
 
Endstation
Am Ende der Gleise
Schon auf der Rampe
Die kein Bahnsteig ist
Nur leere Züge fahren davon
Wenn sie gegangen sind
 
Aus der Verheißung wurden enge Kammern
Nach wenigen Schritten
Die groß waren
Wie Wohnzimmer
Zu groß
Offen
Für Menschen und Gas
Endstation
Ende
End
E
.
 
Die der Wind verwehte
 
 
Auschwitz



 
 
Der Stein
 
Wohin lege ich den Stein
Wohin
Wenn alle Spuren gelöscht
Wenn Erinnerung ohne Worte bleibt
Die Sinn geben
 
Wohin lege ich den Stein
Der das Grab sucht
Der die Erde zum Sprechen bringt
Der ich lauschen möchte
 
Wohin lege ich den Stein
Der Verbundenheit
Über den Tod hinaus
Der Wunden heilt
Der mich leben lässt
In Würde
Und dich
 
Wohin gehe ich
Wenn ich gehe
 
Auschwitz


 
 
 
 

Fallen
 
Wir setzen Worte
Zusammen
Immer neu
Immer mit Lücken
Durch die wir fallen
Grundlos tief
Vieleicht hält uns ein T
Oder Z
Vorübergehend
Wir fallen ohne Anfang
Immer neu
Weiter
Tiefer
Bis ans Ende der Wörter

Stille
 
 
Menton







Meeresleuchten
 
Mittelmeer
Unter blauem Himmel
Den Kaffee genießen
Das Lachen der Menschen
Sonnengebräunt
Der Hauch des Windes
Kühlt
Im Schatten der Schirme
Die ruhige Dünung
Täuscht
 
Dies Mittelmeer
Ein Tränenmehr der Angst
Wegen uns
Ein Meer
Der Toten
 
 
Menton
 
 

 
Eintauchen
 
Ich tauchte tief
Tiefer als der Klang der Worte reichte
Als das versprochene Licht
Und war
Allein
In der Stille der Tiefe
 
Tauchte tiefer als die Hoffnung
Ahnte den Kern
Der sich entzog
Spürte die zeitlose Wurzel
Mit Schrecken
 
War es ein Traum
Dass die Welt mir geschah
 
 
Paris




Ungeheuerlich
 
Es gilt
Aufzuwachen
Für die Ungeheuerlichkeiten
Die geschehen
Im Namen des ...
Oder gegen den Namen
Betroffen sind Namenlose
Als die Meisten
Nicht erst in Lagern
Im Krieg
Im Terror der Ökonomie
 
Es geschieht im Wort
Im Blick
Am Grunde des Denkens
Alltäglich
Gleich nebenan
Im eigenen Herzen
 
Ungeheuerlich
 
 
 
Paris
 






 
Mut
 
Die schwersten Wege
Müssen gegangen sein
Alleine
Auch mit Tränen
Wenn alle Stimmen schweigen
Sonne und Mond dunkel bleiben
Niemand kann Begleiter sein
Die Hand halten
 
Wünsche helfen
Vertrauen
Und der Mut
Zu wachsen
 
 
Rodez
 




Sekunden
 
Bereit sein
Für den Sonnenaufgang
Das Lächeln des Kindes
Zu erwidern
Zur Antwort auf Getanes
Nachdem die Frage gestellt
Auch ohne Worte
 
Bereit sein
Nicht für das Große
Das hat Zeit
Die kleine Geste
Der kurze Blick
Das feine Schmunzeln
Für sich
Bereit sein
Für Sekunden des Lebens
 
 
Rapallo









Fragen am Morgen

 
Wie wäre es
Wenn ich mich nicht
Über Abgrenzung definiere
Sondern über Offenheit
Für Fremdes
Beunruhigendes
Vielfarbiges
Und lerne
Anders zu sein
 
Embrun
Unfassbar
 
Endstimmungen
In Zeiten des abnehmenden Mondes
Beim Blick in die Zeitung
Eine unsichere Zeit
Endet
Scheint sicher
Wie alle anderen zuvor
Dazu
Ungewiss zu sein
Wer man sei
Sein wollte
Sein sollte
Wen man verfehlte
Im Tun des Lebens
Alltäglich
Endzeiten
Im Herbst
Wenn Früchte reifen
Die Schrift an der Wand
Ungelesen verblasst
Der Neumond Hoffnung sät
 Sicher
Die Welt ist anders
Und auch so
Ich bin so
Und auch anders
Unfassbar
Nichts erschöpft sich
Im Offenbarten
 
Paris
 


Gespalten
 
Es fröstelt mich
Im hohen Sommer
Den Winter zu spüren
Eisflocken schmelzen nicht
Auf der Seele
Auf Worten rutsche ich aus
Hoffnungslosigkeit gibt keine Kraft
Zum Leben
 
Die Linie aus Schnee
Wärmt nur Tote
 
Ich aber lebe mit Sonne
Im Herzen
Aus Trotz
 
Vlotho





Mutig
 
Landeinwärts gehen
Ins fremde Land
Das Unbetretene
So nah
Doch fern
Atmungsnah
Herzklopfen nah
 
Landeinwärts
Ins Offene hinein
Die Stille
Die wortlose Tiefe
Grundlos
Erleben
 Die Neugeburt
 
Wage zu springen
Landeinwärts

 
Vlotho
 
 
 




Wiederholung
 
An den Wänden haftet Erinnerung
Fröhliches Kinderlachen im Schnee
Fußspuren
Schleifspuren
Flüchtiger Menschen
In Not
Stolpersteine
Stolpererinnerungen
Verantwortung
Statt Freiheit
Was nicht erinnert wird
Wird wiederholt
Selbst
Wenn die Wände zerbröckeln
 
Vlotho





Der Weg
 
Wir leben ins Größere hinein
Ständig
Bewusst und unbewusst
Das uns umfängt
Erhält
Geschaut und ungeschaut
Von Anfang an
Wie Heimat
Die uns begleitet
Engt und weitet
 
Wir leben in das Größere hinein
Bis uns das Größte
Einer letzten Stunde
Nimmt
 
Die Leere
 
 
 
Dijon
Das fragende Schweigen
 
Am Anfang war das Schweigen
Tief
Erschütternd
Klar
Unendlich lang
Unendlich still
 
Die Frage entpuppte sich
Eine nur
Nur eine
Abgrund tief
Abgründig klar
Kein schwarzer Vogel
Gab die Antwort
Kein weißer Elefant
 
Am Anfang war das Schweigen
Wie an einem frischen Grab
Die Leere
Ganz unzugänglich
Jedem Wort
Nur offen für die Stille
Die gebärende
 
Ich möchte an dem Schweigen
Wachsen
Die Frage bleibt
 
 Dijon
 
 




Morgens
 
Stille
Weite
Ein ferner Vogel
Ein zweiter
Dann die nahe Taube
Verklingen gehört
Nichts stört
Alles vertieft sich
Wie vielleicht am Anfang
 
Frieden?
In einer friedlosen Zeit
Eintracht?
Wo alles zerrissen scheint
 
Weite bleibt
...
und eine offne Hoffnung


 
  Charlieu
 
 


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