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Was bedeutet Meditation eigentlich ?", werde ich oft gefragt: Meine Antwort: für mich ist sie ein seit vielen tausend Jahren erprobter Werkzeug der Selbsterkenntnis und sie eröffnet mir einen Weg in die Wirklichkeiten des Lebens. Nüchtern. Spannend. Freude.

Dabei geht es praktisch um das Erfahren der Stille in sich, jenseits aller Dogmen, Vorschriften, Glaubensinhalte. Das Wahrnehmen etwa des Atemstromes wirkt dabei als eine gute Hilfe. Das hört sich leicht an, in der Praxis aber wird deutlich, wie sehr uns innere Vorgänge, Sorgen, Erwartungen, Glaubenssätze, Ängste und Erwartungen, etc gerade nicht zur Ruhe kommen lassen, sie übertönen die innere Stille.

Diese Töne oder Stimmen zu unterdrücken verstärkt sie nur, also ist es angesagt, sie zuzulassen, sie zu beobachen, zu integrieren oder sie ins Leere laufen lassen; das hängt von deren Inhalt ab.

Es ist hilfreich, in der Meditation die Form vom Inhalt zu trennen. Die Form ist so vielfältig wie der Inhalt: ZaZen ist eine Form des Stillen Sitzens, Tanzmeditation eine der Bewegung des Körpers, Textmeditation eine Form des Zuhörens und des Wirkenlassens, Augenmeditation eine parnerschaftliche Meditation, Gehen eine Bewegungsmeditation. Das Ziel ist nicht die Technik oder Form zu beherrschen, sondern die Stille in mir zu entdecken und meine Eingebundensei in Welt und Leben. Das ist auch plitisch.

Jede Form der Meditation spricht eine andere Ebene des Menschen mit seinen Problemen an, doch stets stehen inhaltlich die alten philosophischen Fragen im Mittelpunkt: wer bin? was kann ich glauben? was soll ich tun? was ist der Mensch? Was bedeutet Freiheit? Was und wer hindert mich daran, der oder die zu werden, die sein möchte? Doch vorsichtig: das hat nichts, gar nichts mit "Selbstoptimierung" zu tun, die meist in Selbstausbeutung mündet! UND: Mensch-Sein reicht nicht, wenn ich bedenke, das auch die SS-Männer in den KZs Menschen waren: was macht einen Menchen aus, auch angesichts der KI?

Für mich leben wir in einem Zeitalter der Krisen, die bei näherer Betrachtung je eine Beziehungskrise sind: Beziehungen zu mir, Beziehungen zu anderen Menschen, zur Arbeit, zum Leben, zur Natur. zum Tod. Sie  fallen zusammen in der grundsätzlichen Beziehungskrise zur Welt, also im Welt- und Menschenbild.

Das zeigt, Meditation wie ich sie verstehe und anbiete, gründet auf der Arbeit an und für sich: Arbeit an sich selbst im Lichte der Welt- und biographischen Selbsterfahrungen. Sie ist Selbsterkenntnis als Mensch, als Bürger. als Ausruck von Leben, dass leben will inmittden von Leben und Lieben.

So greift die Forderung nach Resilienz zu kurz, denn sie arbeitet an den Symptomen und schiebt die Verantwortung für Schwäche, Unwohlsein, Einsamkeit, Mutlosigkeit, etc. dem Betroffenen zu   -als Art Erste Hilfe ist das in Orndnunh, doch der Frage nach den gesellschaftlich-politischen Bedingungen für ein "gutes Leben" wird ausgewichen.

Das vorsichtige Entfalten von Mitgefühl führt den ernsthaft Meditierenden zur Verantwortung nicht nur für sich selbst, sondern für alles Lebendige. " ubuntu: Ich bin, weil Du bist", heißt es in der afrikanischen Philosophie, das indische "tat tvam asi: auch das bist Du"  ergänzt es wie Bubers "Das Ich erkennt sich am Du".

Wer also Meditation als Flucht aus der Wirklichkeit versteht, versteht sie und sich falsch. Meditation wird oft auch als Geistestraining verstanden, nämlich zu verstehen wie alles mit allem zusammhängt. Aus diesen Netzwerk des Lebendigen kann niemand aussteigen. Es wahrzunehmen und sich als Teil davon zu erkennen: das bedeutet für mich Meditation. Du bist eingeladen. 

Das schließt weder Entspannung noch Freude aus, doch sind dies unausweichbare, willkommene Nebenwirkungen.


Gibt es weitere Fragen?

Dein
Wolfgang